Veranstaltungsreihe „Ganztag im Fokus“

25. Februar 2026 | 16:00 – 17:30 Uhr | digital

Countdown auf dem Weg zum Rechtsanspruch

Referent: Alessandro Novellino (Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft)

Der ab 2026 schrittweise wirksam werdende Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung für Grundschulkinder markiert einen tiefgreifenden bildungs- und sozialpolitischen Einschnitt.

Der Ganztag entwickelt sich zunehmend von einem ergänzenden Betreuungsangebot zu einem zentralen Bildungs- und Lebensraum für Kinder und zu einer tragenden Infrastruktur für Familien und Erwerbstätigkeit. Aktuelle bundes- und landespolitische Initiativen zeigen, dass Bund, Länder und Kommunen die Umsetzung gemeinsam vorantreiben, zugleich aber vor erheblichen Herausforderungen stehen. Dazu zählen insbesondere der massive und regional sehr unterschiedliche Fachkräftemangel, prekäre Beschäftigungsbedingungen, unzureichende räumliche Infrastruktur sowie fehlende verbindliche Qualitätsstandards. Empirische Befunde und aktuelle Studien verdeutlichen, dass der bloße Ausbau von Plätzen nicht ausreicht, um Chancengleichheit zu fördern.

Der Vortrag ordnet diese Entwicklungen ein und macht deutlich, dass der Rechtsanspruch nur dann eingelöst werden kann, wenn pädagogische Qualität, gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Kooperationen zwischen Schule und Kinder- und Jugendhilfe, sowie kindgerechte Konzepte, die formale, non-formale und informelle Bildungsprozesse in multiprofessionellen Teams miteinander verbinden und öffentliche Verantwortung, zusammengedacht werden. Der Ganztag wird damit als kein rein administratives Projekt präsentiert, sondern ein gesellschaftlicher Gestaltungsauftrag, der eine klare bildungspolitische Haltung und verbindliche Rahmenbedingungen erfordert.

Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit für Rückfragen und einen fachlichen Austausch.

Alessandro Novellino ist bildungspolitischer Referent im Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und fachlich zuständig für den Rechtsanspruch auf Ganztag.

Wir laden alle Interessierten aus Schule, Jugendhilfe, Wissenschaft und Politik herzlich ein, gemeinsam über Herausforderungen und Lösungsansätze ins Gespräch zu kommen.

Flyer als Download

Bis 23. Februar 2026 unter diesem Link anmelden.


19. März 2026 | 16:00 – 17:30 Uhr | digital

Bildungsgerechtigkeit im Ganztag
Von der politischen Zielsetzung zum methodischen Handeln

Referentinnen: Prof. Dr. Tanja Grendel & Prof. Dr. Kathrin Witek (Hochschule Rhein-Main)

Die Entwicklung des Ganztags ist von Beginn an mit der politischen Zielsetzung verknüpft, einen Beitrag zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit zu leisten. Ausgehend vom sogenannten „PISA-Schock“ Anfang der 2000er-Jahre, der im deutschen Bildungssystem nicht nur unterdurchschnittliche Kompetenzniveaus in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften, sondern auch eine starke Abhängigkeit dieser Kompetenzen von der sozialen Herkunft offenlegte, wurden hohe Erwartungen an eine engere Kooperation von Schule und Sozialer Arbeit gestellt, getragen von einem erweiterten Bildungsverständnis, dem zufolge „Bildung mehr ist als Schule“. Empirisch zeigt sich bislang jedoch kaum Evidenz dafür, dass sich Bildungschancen durch den Ausbau des Ganztags tatsächlich verbessert haben.

Zum einen geraten strukturelle Ursachen von Bildungsungleichheit in der praktischen Umsetzung häufig aus dem Blick. Zum anderen fehlt ein geteiltes Verständnis davon, was unter Bildungsgerechtigkeit gefasst wird. In der Folge bleibt die Zielperspektive sozialarbeiterischer Praktiken im Ganztag diffus – insbesondere in ihrer Abgrenzung zu schulischen Funktionslogiken. Entsprechende Klärungen sind jedoch eine zentrale Voraussetzung, um im methodischen Handeln dem Anspruch auf die Bearbeitung struktureller Benachteiligung gerecht zu werden.

Der Vortrag führt theoretische Perspektiven auf Bildungsungleichheiten und Bildungsgerechtigkeit sowie Ansätze des methodischen Handelns systematisch zusammen und diskutiert deren Bedeutung für die professionelle Praxis im Ganztag.

Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit für Rückfragen und einen fachlichen Austausch.

Prof. Dr. Tanja Grendel und Prof. Dr. Kathrin Witek sind Professorinnen im Bereich Soziale Arbeit an der Hochschule RheinMain. Ab WS 2026/27 bieten sie im Bachelor-studiengang Soziale Arbeit die Vertiefung „Kindheit, Jugend und (Ganztags-)Schule“ an und leisten damit einen Beitrag zur Professionalisierung Sozialer Arbeit an Schule.

Wir laden alle Interessierten aus Schule, Jugendhilfe, Wissenschaft und Politik herzlich ein, gemeinsam über Herausforderungen und Lösungsansätze ins Gespräch zu kommen.

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Bis 17. März 2026 unter diesem Link anmelden.


Vergangene Veranstaltungen:

2. September 2025 | 16:00 – 17:30 Uhr | digital

Multiprofessionell, aber überfordert?
Verletzendes Verhalten und strukturelle Defizite im schulischen Ganztag

Referent: Prof. Dr. Nikolaus Meyer

Multiprofessionelle Zusammenarbeit ist gelebte Realität im schulischen Ganztag – doch was passiert, wenn sie an ihre Grenzen stößt? In unserer digitalen Veranstaltung mit Prof. Dr. Nikolaus Meyer werfen wir einen kritischen Blick auf verletzendes Verhalten im schulischen Alltag und dahinter liegende strukturelle Defizite.

Ausgangspunkt ist die bundesweite AVASA-Studie von Prof. Dr. Nikolaus Meyer und Dr. Elke Alsago, die Gewalt und verletzendes Verhalten in der Sozialen Arbeit untersucht. Die Ergebnisse mit Blick auf den schulischen Ganztag als Arbeitsfeld sind alarmierend: Verletzendes Verhalten ist keine Ausnahme, sondern Teil des Alltags. Beschäftigte im Ganztag, Schulsozialarbeiter_innen und Schulbegleiter_innen erleben gleichermaßen eine hohe Gewaltbetroffenheit – teils auch innerhalb ihrer eigenen Berufsgruppe. Prekäre Arbeitsbedingungen, fehlende Schutzkonzepte, mangelnde Qualifikation und institutionelle Unsicherheiten begünstigen Überforderung und Eskalationen.

Inhalte der Veranstaltung:

  • Multiprofessionelle Realität: Wer arbeitet heute in der Schule – und unter welchen Bedingungen?
  • Gewalt im Alltag: Ein Überblick über zentrale Befunde der Studie
  • Ursachen und strukturelle Zusammenhänge: Wo liegen die systemischen Schwächen?
  • Konsequenzen und Handlungsansätze: Was muss sich ändern – und wie?

Nach einer Präsentation der zentralen Erkenntnisse der Studie laden wir zur Diskussion ein, wie Qualifizierung, klare Strukturen und wirksame Schutzkonzepte zu einem kindgerechten und sicheren Ganztag beitragen können.

Wir laden alle Interessierten aus Schule, Jugendhilfe, Wissenschaft und Politik herzlich ein, gemeinsam über Herausforderungen und Lösungsansätze ins Gespräch zu kommen.

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Bis 31. August 2025 unter diesem Link anmelden.